Stadt – Land: höchstens Dreiviertelstunde!

9. November 2015

Rottweil. Die FAS hat gestern einen Artikel gebracht über die Situation und das Verhältnis Stadt – Land. Im allgemeinen sterbe das Land aus, die großen Städte florieren. Bis zu einer Dreiviertelstunde Fahrzeit (zum Arbeitsplatz oder Einkaufen) in die Stadt werde das Land nicht als Land wahrgenommen, sondern floriere auch. Was heißt das für Rottweil?

Wir leben zwar nominell in einer Stadt, in Wirklichkeit aber in einem abgelegenen Landkreis, von Wachstum wie um Stuttgart herum keine Spur. Wer sich in Rottweil in den Zug setzt, ist in einer Dreiviertelstunde noch nicht mal in Horb oder Singen, Richtung Ost oder West ist man nach einer Dreiviertelstunde im Niemandsland im Schwarzwald oder auf der Alb. Mit dem Auto sieht es etwas besser aus.

Anscheinend wird demnächst der Fahrplan umgestellt, dass wir per IC schnellere Verbindungen über Stuttgart hinaus kriegen, aber die Fahrzeit nach Böblingen oder Stuttgart wird noch länger, denn in Oberndorf und Sulz zum Beispiel wird zusätzlich gehalten, der IC wird zum Regionalzug.

Nun hängt sicher nicht alles an solchen Fahrzeiten, man kann auch in Tuttlingen oder Schwenningen oder zu Hause kaufen und arbeiten. Trotzdem bleibt die Tatsache, dass der Kreis Rottweil in alle Richtungen irgendwie weit vom Schuss liegt, vielleicht von der Autobahn abgesehen. Umso wichtiger ist es gewesen, dass wir mit dem Thyssen-Turm und der JVA zwei Trümpfe gekriegt haben, von denen wir profitieren werden und die unsere Bedeutungslosigkeit stark abgebremst haben. Nicht auszudenken, es wäre anders gekommen!

7 Antworten to “Stadt – Land: höchstens Dreiviertelstunde!”

  1. Kretschmann Says:

    Noch besser wäre es gewesen wenn der Daimler in Sulz die Möglichkeit bekommen hätte sein Testzentrum zu bauen.

    So lange man sich im Kreis solchen Gelegenheiten -aus welchen Gründen auch immer- verschließt, wird es wirtschaftlich in Zukunft leider nicht besser werden.

  2. Dummsgschwätz Says:

    jo, schantle, do häsch jo recht
    aber s´traurig dran, ist, daß ma dia Trümpf „kriaga“ muss.

    wundre mich nur, warum ich do a bild fuma Almoseempfänger im Kopf hab.

    Normalerweise sollte es so sein, daß man eher die Abhängigkeit verlassen und regionale Fähigkeiten fördern und aufbauen sollte.
    Dies jedoch, ist in diesem Land aufgrund hoher bürokratischer Hürden sehr schwer.
    Viele innovative, erfolgversprechende Ideen einiger kluger Köpfe sind meißt im voraus durch belastende Finanzhürden(Jungbanker entscheiden über Ideen?!) und zeitraubende Bürokratie, sowie der Willkür von Sachbearbeiter in allen möglichen Ämter zum Scheitern verurteilt.

    Meiner Ansicht sollte genau hier angesetzt werden, Anlaufstellen mit fähigen Kompetenzen, die unterstützen und helfen können, für fähige Kompetenzen. „Erfinder“ sind meißt keine guten Kaufleute oder Bürokraten.

    So hätte auch Innovation aus dem Ländle wieder eine Chance.

  3. Dummsgschwätz Says:

    Das begrenzt sich nicht nur auf „Erfinder“.
    Ich bezweifle, daß Duttenhöfer´s Unternehmung in heutiger Zeit überhaupt nur aus der Gründungsphase rausgekommen wäre. Die Sicherheitsauflagen hätten mit Sicherheit die Firma in den Ruin gestürzt.

  4. Oskar A. Says:

    Man hätte vor vielen Jahren, ja Jahrzehnten, die Gäubahn nach Stuttgart zweigleisig realisieren sollen. Chancen und Pläne waren immer vorhanden. Aber jetzt ist der Zug fast abgefahren, wenn nicht bald die neuen Neigezüge kommen. Der Ringzugverkehr funktioniert auch nur so gut, wie das Netz ausgebaut ist, und da gibt es auch noch Lücken. Und der Rottweiler Bahnhof hat halt eine besch… Lage. Ich wäre für einen Haltepunkt „Stadtmitte“ und einen Aufzug am Viadukt. Das Geld wird immer für andere Projekte benötigt. Unsere Städte in der Region SBH sterben aus. Eines der Renomees ist in Tuttlingen noch die Medizintechnik, die sich dort wie eine kleine, aber mächtige Insellösung konzentriert. Aber ansonsten sollte man die Stadt nachts meiden. Geht mal durch VS, RW oder TUT, überall leere Geschäfte, keine Cafe’s mehr und trostlose, marode Industriebrache, wie beispielsweise das frühere Moker-Areal, das Lang+Mink-Relikt oder das Milchwerk auf der Saline. Oder überall nur KIK und KAK & Co. – Ein gewerblicher Einheitssalat. Und die zur Zeit dauergesperrte B14 zwischen Rottweil und Oberndorf zeigt zusätzlich, wie abhängig wir von regionalen und überregionalen guten Anbindungen sind. Und das öffentliche Busnetz in der Region funktioniert auch nicht so toll. Ab 13.30 Uhr am Samstag ruht auch in Rottweil der Stadtbusverkehr.
    Ich kann nur hoffen, dass sich der Testturm und die JVA für Rottweil und die Region wirtschaftlich positiv auswirken.
    Wir benötigen unbedingt gute Hotels und Übernachtungsmöglichkeiten für potentielle Geschäftsleute und Manager. Aber wir denken leider immer nur, wie Hotels, Gaststätten und Pensionen zu Flüchtlingsunterkünften umgebaut werden können. Das ist nicht unsere Zukunft! Die geht sonst kaputt!

  5. Schantle Says:

    Oskar A.

    die Gäubahn war zweigleisig, die Franzosen haben das zweite Gleis gestohlen. Ansonsten gebe ich aber allen recht. Genau, dass die Sulzer Deppen den Daimler verhindert haben, war eine Sauerei. Mit solchen grün angestrichenen Deppen muss man heute aber rechnen. Umso schöner für uns Rottweiler, dass hier noch Menschenverstand ist!!

  6. Oskar A. Says:

    Ja Schantle, ich weiß, die Franzosen haben das zweite Gleis der Gäubahn abgebaut. Aber wäre es nicht bei der Elektrifizierung der Strecke eine einmalige Chance gewesen, das zweite Gleis wieder einzubauen? Auch das wurde – wie auch immer – nicht genutzt.

  7. Schantle Says:

    Oskar A.,

    leider hat man den Platz vom 2. Gleis nicht freigelassen, sondern den Rest so verlegt, dass kein zweites Gleis mehr Platz hat. Sie haben so manchmal auch Kurven abgeschwächt usw. Und heute sind sie unfähig, ein 2. Gleis zu bauen, Käfer müssen geschützt werden, es gibt jeden Tag neue Brandschutzbestimmungen für Tunnel zum Beispiel usw.


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