SS-Stadt Rottweil 1945 – Werner Kessl rettet die Stadt

20. April 2016

Rottweil. Heute vor 71 Jahren haben „alle Schornsteine in Rottweil geraucht als wäre es eiskalt“. Warum? Es war das „Verbrennen aller Habseligkeiten mit SS-Emblem“ kurz vor dem Einmarsch der Franzosen. Das heisst im Umkehrschluss genau genommen, in jedem Rottweiler Haus waren also SS-„Embleme“!? Diese sensationelle Nachricht stammt von zwei weltweit renommierten Historikerinnen im Rottweiler SchwaBo, Michelle Deibert und Vera Danner, die den einschlägig bekannten „Zeitzeugen“ Werner Kessl (83) befragten, der Rottweil damals als Zwölfjähriger gerettet hat!

Bisher war man davon ausgegangen, dass es während des Dritten Reiches im katholischen Städtchen Rottweil gar keine SS gab. Wir waren keine Garnisonsstadt, hatten keine Kaserne, kein SS-Lokal – einfach nix SS! Und jetzt das! Und noch viel mehr:

Die Öfen der Haushalte werden kräftig befeuert – mit zahlreichen Abzeichen, Schriften und Uniformen der Nationalsozialisten. Mit ihnen geht aus Sicht Kessls zugleich ein Teil der Geschichte Rottweils in Flammen auf.

Auch das ist völlig neu. Alle Rottweiler Häuser waren voll von Nazi-Schriften und Uniformen. Kessl hat sie gesehen. Im Finanzamt war es ganz schlimm:

Auch der 83-Jährige, damals erst zwölf Jahre alt und an schlimmer Gelbsucht leidend, bekommt die Anweisung, belastendes Eigentum verschwinden zu lassen. Er bewohnt damals mit seiner Mutter und einem jüngeren Bruder eine Dienstwohnung im Finanzamt in der Körnerstraße. Zusammen mit Inge Krampert, Tochter des Finanzamt-Chefs, soll er eine große Menge SS-Uniformen, gelagert im Kassenraum des Gebäudes, wegschaffen.

Im Rottweiler Finanzamt war also die SS! Bisher war man der Meinung, die wehrfähigen Männer seien alle im Krieg gewesen und nur alte Zivilisten oder Invaliden hätten als Beamte auf den Ämtern gesessen. Die Geschichte muss umgeschrieben werden! Dieser Artikel (siehe alles im Kommentar)  ist eine Sensation! Und nicht auszudenken, wenn die Franzosen und ihre Marokkaner bei der „Einnahme“ des Finanzamts noch eine Uniform gefunden hätten. Dann hätten sie wohl auch Rottweil zusammengeschossen und 600 Frauen von acht bis achtzig vergewaltigt wie in Freudenstadt und anderswo! Werner Kessl hat uns gerettet!

9 Antworten to “SS-Stadt Rottweil 1945 – Werner Kessl rettet die Stadt”

  1. Schantle Says:

    Rauch über Rottweil: Das Kriegsende in der Kreisstadt

    Von Schwarzwälder-Bote 19.04.2016 – 18:01 Uhr

    Von Michelle Deibert und Vera Danner

    Rottweil. „Der 20. April war meiner Erinnerung nach ein strahlender, warmer Frühlingstag – trotzdem haben alle Schornsteine in Rottweil geraucht als wäre es eiskalt.“ Werner Kessl blickt auf den Tag zurück, an dem für Rottweil das langersehnte Ende des Zweiten Weltkriegs eintrat und der sich heute zum 71. Mal jährt.

    Die qualmenden Schornsteine hat Kessl noch immer bildlich vor Augen – denn dieser Freitag im April ist nicht nur ein bedeutender Tag in der Vergangenheit Rottweils, sondern auch für ihn persönlich.

    Am 17. April nimmt die französische Armee Freudenstadt ein – „in Rottweil wusste man seit Tagen, was auf uns zukommt.“ In der Bevölkerung breitet sich Angst aus. Man bereitet sich auf das Eintreffen der Alliierten vor. Dazu gehört das Verbrennen aller Habseligkeiten mit SS-Emblem. Die Öfen der Haushalte werden kräftig befeuert – mit zahlreichen Abzeichen, Schriften und Uniformen der Nationalsozialisten. Mit ihnen geht aus Sicht Kessls zugleich ein Teil der Geschichte Rottweils in Flammen auf.

    Auch der 83-Jährige, damals erst zwölf Jahre alt und an schlimmer Gelbsucht leidend, bekommt die Anweisung, belastendes Eigentum verschwinden zu lassen. Er bewohnt damals mit seiner Mutter und einem jüngeren Bruder eine Dienstwohnung im Finanzamt in der Körnerstraße. Zusammen mit Inge Krampert, Tochter des Finanzamt-Chefs, soll er eine große Menge SS-Uniformen, gelagert im Kassenraum des Gebäudes, wegschaffen.

    Nachmittags, bevor um sieben Uhr die Ausgangssperre verhängt wird, treiben sie einen Pritschenwagen auf, beladen ihn mit der Kleidung und fahren über die menschenverlassene Marxstraße bis zum Albertus-Magnus-Gymnasium. Dort waren Schützengräben ausgehoben worden, in die die Kinder die erste Fuhre Uniformen werfen – und die zweite gleich hinterher.

    „Wir haben in einer Lage, die uns als höchst gefährlich erschien, das getan, was uns befohlen wurde – so wie wir es gewohnt waren.“ Gerade noch rechtzeitig – nur eine Stunde später trifft in der Schramberger Straße dort, wo heute das neue Feuerwehrhaus entsteht, ein Panzer des französischen Militärs auf einen Lastwagen mit deutschen Soldaten auf der Flucht. Die Stahlhelme, die sie tragen, sollen ihnen eigentlich Schutz bieten. Stattdessen verraten sie ihre Zugehörigkeit zum deutschen Militär – der Panzer schießt. Acht Männer sterben. Der Angriff markiert den Einzug der französischen Macht in Rottweil.

    Den beiden Kinder gelingt es, die Gefahr rechtzeitig aus dem Haus zu schaffen, bevor die Franzosen das Finanzamt kurz darauf einnehmen. Am nächsten Tag brennt der Kleiderhaufen. Die Entsorgung der SS-Uniformen sieht Kessl als Metapher. Für ihn stellt sie zugleich auch die Befreiung vom „Naziterror“ dar.

    Das Ende des Krieges sei auch der Beginn einer neuen, demokratischen Ordnung gewesen, auch wenn davon „im Frühjahr ’45 noch nicht die Rede“ war.

  2. Pegasus Says:

    Familienmitglieder haben mir mal erzählt das nach den grausamen Nachrichten aus Freudenstadt sich viele Rottweiler entschlossen hätten ins amerikanisch besetzte Oberland zu flüchten. In dieser Gruppe waren auch viele 17 -18 jährige Mädchen. Die Franzosen und Marrokaner haben in den umliegenden Bauernhöfen alles geplündert was nicht niet- und nagelfest war. Es wurde auch erzählt das Mädchen auf dem Hasler-Hof an der B 27 von Marrokanern vergewaltigt worden seien. Nachdem die Franzosen da waren, sollen massenhaft Denunzianten aufgetreten sein. Jeder hat jeden als Nazi bezichtigt und dabei gerieten auch viele Unschuldige ins KZ nach Schörzingen oder Balingen!

  3. Armab Says:

    in der Hochmaiengasse 20 wurden unzählige Fahnen, Hitler Bilder und anderes Zeugs aus der N.S Zeit aufbewahrt. Diese Sammlung wurde circa 1987 von Mitarbeitern der Stadtgärtnerei (einige Asylanten aus Osteuropa waren dabei und haben für 3 Mark die Stunde gearbeitet) entsorgt.

  4. M.Wittmann Says:

    Sehr geehrter Herr Schantle, werte Damen und Herren!

    Ich sammle solche Fahnen, Ehrenzeichen, Dolche, Uniformen usw. des 3.Reich.

    Für ein Ritterkreuz mit Schwerter und Brllianten mit Urkunde zahle ich bis 8000Euro. Zahle generell Höchstpreise für sämtliche Stücke.

    Ihr braucht das bitte nicht mehr im Kamin verfeuern, einfach melden unter 01742 3888988

    Mit besten Grüßen
    M.Wittmann

  5. ebbele Says:

    Was Kessl verbal erbricht, kann man gewiß nicht als Bericht eines Zeitzeugen einordnen … sicher hat er auch mehr oder weniger mühsam recherchiert, doch recht einseitig … da hilft das ganze Fuchteln nix, wenn er die Gerüchteküche der Sieger widerkäut.

  6. PB Says:

    @ M. Wittmann: Das Ritterkreuz m. Schwerter und Brillianten enthält noch das Eichenlaub…

  7. Pegasus Says:

    @M.Wittmann: Im 2.Weltkrieg gab es ein Panzerass Michael Wittmann vor dem die Alliierten höchsten Respekt hatten.
    Wittmann war einer der berühmtesten und berüchtigtsten Panzerkommandeure des Zweiten Weltkriegs: Er und seine Einheiten zerstörten 138 feindliche Panzer, 132 Panzerabwehr-Geschütze sowie eine unbekannte Anzahl an anderen Fahrzeugen.
    Seinen Ruf festigte er am 13. Juni 1944: Während der Schlacht um Villers-Bocage zerstörte er mit einem einzelnen Panzer vom Typ Tiger I 14 britische Panzer, 15 Truppen-Transporter und zwei Panzerabwehr-Geschütze – innerhalb von 15 Minuten.
    Ausgerechnet ein umgerüsteter britischer Sherman-Panzer mit einer erbeuteten deutschen 8.8 Kanone eines Tiger I hat letztlich seinen Panzer Tiger I zerstört und dabei ist er umgekommen!
    Mein Motto lautet: Wer die Geschichte nicht kennt der kann auch die Gegenwart und Zukunft nicht bewältigen!

  8. ewing Says:

    Der Kessl war schon in seiner aktiven Zeit als Pauker
    kaum zu ertragen!


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